Mit schlechtem Urteil zum Erfolg

Zwei findige Studenten haben Holz-Buchstützen entwickelt – einen Verkaufsschlager

Die Vorbereitung auf die Zwischenprüfung brachte die Idee: Um mit Buch und Laptop in der Bibliothek bequemer arbeiten zu können, konzipierten Politikstudent Dominik Dieckmann (24) und Michael Schramm (26), der Kulturwissenschaft studiert, eine Buchstütze aus Holz. Genannt EasyReader®. „Unsere Stützen sind stabiler und schöner als die Plastestützen, die es sonst zu kaufen gibt“, erklärt Dieckmann.

Um sie zu vermarkten, gründeten die beiden Uni-Studiosi die „Suedplatz Vertriebs oHG“. An den nächsten Schritt, ein Geschäftskonto zu eröffnen, erinnert sich Dieckmann noch genau: „Wir betraten in kurzen Hosen und Flipflops an den Füßen die Hypo Vereinsbank am Lutherring. Die Bankangestellte, die uns misstrauisch beäugte, fragte, was wir denn mit oHG – Offene Handelsgesellschaft – meinen, eine Obsthandelsgesellschaft etwa? Wir machten sofort kehrt.“

Durch die Teilnahme an einem Wettbewerb für Firmenkonzepte bekam das Duo doch noch ein Geschäftskonto. Zwar konnten sie die Jury nicht überzeugen und gingen leer aus, doch allein die Teilnahme sicherte ihnen das ersehnte Konto bei der Sparkasse. Das schlechte Urteil der Juroren konnten Dominik und Michael allerdings nicht nachvollziehen. „Die Buchstützen hätten auf dem Markt keine Aussicht auf Erfolg, denn würde eine Nachfrage existieren, hätte das ja schon längst jemand angeboten“, gibt Dieckmann die Begründung der Preisrichter ironisch wieder. Heute haben die beiden Jungunternehmer schon über 1700 Stück ihrer Buchstützen losgeschlagen. 500 EasyReader® allein im letzten Dezember an den Cornelsen-Verlag. Die Holzteile werden in einer Drechslerei im Erzgebirge gefertigt und in einer Behindertenwerkstatt im Vogtland zusammengebaut. Das Verpacken und der Versand erfolgt aus Dieckmanns WG-Zimmer. Viel Studierzeit raube dieses „unendliche Praktikum“, so Dieckmann.

Trotzdem spielt er mit dem Gedanken, nach dem Studium das begonnene Werk fortzusetzen und davon zu leben. Denn auf der Leipziger Buchmesse erfuhren die Studenten, dass von einem ähnlichen Produkt in Großbritannien jährlich 35 000 Stück verkauft werden, bei einem Gesamtumsatz von 500 000 Euro. Von den Messebesuchern wurden sie außerdem auf eine neue Idee gebracht, an der sie zurzeit tüfteln: die Buchstütze fürs Bett.

Von Alexander Kummero

Aus: Leipziger Volkzeitung, Montag 7. Februar 2005

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