Der Liegestuhl fürs Buch

Studenten erfinden Buchstütze

„Suedplatz Vertriebs oHG nennen sie sich – dahinter stehen der Politikwissenschaftsstudent Dominik Dieckmann und der angehende Kulturwissenschaftler Michael Schramm. Die Vorbereitung auf ihre Zwischen- bzw. Vordiplomsprüfungen brachte sie auf eine Idee, die heute, ein Jahr später, begeisterte Interessenten findet: eine Buchstütze aus Holz. Vielen mag es schon so gegangen sein, dass insbesondere Paperbacks immer wieder zuklappen, wenn man sie zum Lesen auf dem Tisch legt. Das war auch der Grund für die zwei Jungunternehmer, ein Konzept für eine gut funktionierende Buchstütze zu machen.

„Leicht, zusammenklappbar und schön anzusehen sollte sie sein", sagt Dominik Dieckmann. Eine technische Zeichnung musste angefertigt werden, um die Idee einer Buchstütze mit der Funktionsweise eines Liegestuhls umzusetzen. Vater Klaus Dieckmann tüftelte die Konstruktion aus und die beiden Erfinder machten sich daran, Partner für die Produktion zu suchen.

Gefunden haben sie eine Drechslerei in Hallbach, welche die Einzelteile herstellt, und eine Behindertenwerkstatt in Rodewisch (Vogtland), um die Einzelteile zu montieren. Wichtig bei der Suche war ihnen stets die Forderung der sächsischen Wirtschaft. Nachdem ihre Gesellschaft Ende Juli letzten Jahres ins Handelsregister eingetragen wurde, konnten die zwei ihre unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Der Firmensitz wurde im WG-Zimmer von Dominik eingerichtet. Der Vertrieb und die Kontaktaufnahme läuft zwar hauptsächlich über das Internet (unter der Adresse www.easyreader.net), aber hier werden Faxe und Telefonate angenommen und überlegt, wie Abnehmer gefunden werden können. Das war zu Beginn recht schwierig, erst nachdem sie ihre einzigartige Idee dieses Jahr auf der Buchmesse präsentierten, lief es besser: „Wir konnten viele neue Kontakte knüpfen, unter anderem mit der Buchhandlung Hugendubel, dem Verlag Cornelsen und der Meta-Suchmaschine für Bücher „Euro-Buch“, welche die Buchstütze als erstes Nicht-Buch-Produkt in ihr Sortiment aufgenommen hat", erzählt Michael Schramm.

Seitdem stapeln sich in den Zimmern der beiden und auf den Dachböden in den Elternhäusern von den ursprünglich 1000 produzierten nur noch die Hälfte der Buchstützen. Muster der in drei Größen erhältlichen Stütze (Preisspanne: 15 bis 25 Euro) wurden an Verlage, große Kaufhäuser und Buchhandlungen geschickt und fanden oft großen Anklang. Wer sich die Buchstütze genauer angesehen hat, wird verstehen warum.

Von Kornelia Tröschel

Aus: Journal. Universität Leipzig, Oktober 2004 Heft 5/2004, ISSN 0947-1049

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